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Graduiertenkolleg zum interreligiösen Vergleich
monastischer Kulturen

Das neue Graduiertenkolleg

Forschungsrahmen
Offensichtlich stellt es eine anthropologisch fundierte Konstante dar, dass bestimmte Hochkulturen bzw. Religionen eine Lebensweise hervorbrachten, bei der man um der Vervollkommnung des Selbst willen sich von der Welt verabschiedete und in das Organisationsgefüge einer klösterlichen Gemeinschaft eintrat. Eine solche mönchische Lebensweise fand und findet man im lateinischen ebenso wie im orthodoxen oder koptischen, äthiopischen, armenischen und syrischen Christentum, aber auch im indischen Hinduismus und Jainismus sowie in den verschiedenen Formen des Buddhismus. Sie ist somit originär auf drei Kontinenten international beheimatet: in Europa, Afrika und Asien. Eine interreligiös vergleichende Erforschung der monastischen Lebensweisen soll die Antwort auf die Frage finden, wieso das mönchische Wirken in ganz unterschiedlichen Zivilisationen, Religionen und Gesellschaftsformen sich mit analogem Erfolg realisieren und über viele Jahrhunderte aufrecht erhalten ließ. Eine solche Antwort eröffnet wiederum zweierlei: Sie wird beim heutigen Forschungsstand überhaupt erst zu einem Verständnis dessen führen, was Mönchtum über alle Religionen hinweg im Kern bedeutete und sie wird das Phänomen der monastischen Kulturen als eines der entscheidenden Module in der Geschichte der Menschheit erkennen lassen.

Untersuchungsziele
Die Geschichte der Klöster, gleich welcher Religion und Kultur zugehörig, stellt jeweils ein äußerst komplexes Geflecht dar, das sich fließend aus untereinander verwobenen Abläufen herausformte und dabei Phasen des Umbruchs oder der Umformung ebenso aufwies wie solche der Verstetigung und der Beschleunigung.
Gleichwohl bestand diese Welt der Vielfalt und des Wandels bemerkenswerterweise aus ‘Bausätzen’ von nur wenigen, aber außerordentlich wirksamen Grundelementen, unter denen vor allem die folgenden zu nennen sind: Gemeinschaftsbildung, hohe Gestaltungsrationalität des Organisatorischen, Rekurs auf Lebensregeln, Gehorsam, Einbringung des Ichs zur Perfektionierung der individuellen Seele, Askese und Entsagung der Welt sowie strikte Trennung von Innen und Außen (mit allen Zeichen von Zugehörigkeit). Auf ihnen fußen sekundäre Ausprägungen – unter anderem vita contemplativa oder vita activa, Seelsorge, Predigt, Bildung und Wissenschaft, Bettel –, die sich differenziert, aber ebenfalls mit begrenztem Repertoire realisierten.
Sucht man nach Kriterien für die Auswahl des forschungspragmatisch geeignetsten ‘Bausatzes’, so ist zunächst davon auszugehen, dass sich jede mönchische Lebensform heuristisch (!) in einen spirituellen und einen organisatorischen Bereich unterteilen lässt, wenngleich beide de facto auch in hohem Maße aufeinander bezogen sind. Der spirituelle Bereich ist durch seine fundierende Verwebung in das System der jeweiligen Religion resp. Theologie mit all deren ideellen Implikationen, wie Transzendenzvorstellungen, Individualitätskonzepten, Werte- und Tugendsystemen usw., allerdings wesentlich aufwändiger zu analysieren und setzt zudem eingehende Kenntnisse über den organisatorischen Bereich voraus.
Es empfiehlt sich deshalb, mit dem organisatorischen Bereich zu beginnen und das Graduiertenkolleg mit der vergleichenden Analyse eines dementsprechenden ‘Bausatzes’ zu beauftragen.
Es bedarf dabei allerdings einer Perspektive, anhand derer sich diese vielschichtigen, zueinander relationalen Strukturen in einer Bündelung zeigen lassen. Eine solche Perspektive lässt sich gewinnen, wenn man die normativen Basistexte – d. h. vorrangig die Klosterregeln mit ihren präskriptiven und hortativen Komplementärtexten – als einen entscheidend fundierenden ‘Bausatz’ jeder klösterlichen Kultur zum zentralen und gemeinsamen Untersuchungsobjekt macht.
Jede monastische Form stützt sich auf solche normativen Basistexte, die primordial niedergeschrieben worden waren und die – obwohl in vielen Fällen mit Sakralität ausgestattet und damit zumeist als unverfügbar angesehen – ergänzt, weiterentwickelt, verändert und mit anderen Texten verknüpft wurden. Man hat es also mit einem äußerst flexiblen und differenzierten Komplex von Texten und deren Inhalten zu tun.

Durchführung
Das Graduiertenkolleg unter der Leitung von Prof. Dr. Gert Melville ist auf eine Laufzeit von vier Jahren eingerichtet. Auf Stipendienbasis werden hierbei drei Nachwuchswissenschaftler Dissertationen anfertigen, die sich im interreligiösen Vergleich jeweils mit den normativen Basistexten (vornehmlich Regeln) einer monastischen Form aus verschiedenen christlichen und nicht-christlichen Kulturen befassen. Die monastischen Formen werden der byzantinischen, buddhistischen und hinduistischen Klosterwelt angehören.
Die Dissertationen und der Abschluß der Promotionsverfahren werden in Form einer Co-tutelle mit dem Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien – Betreuung Prof. Dr. Claudia Rapp – , und mit dem Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde, der Universität Wien – Betreuung Prof. Dr. Karin Preisendanz und Prof. Dr. Klaus-Dieter Mathes – durchgeführt. Vorgesehen ist eine curricular orientierte Betreuung durch international ausgewiesene Experten (advisors). Die fachliche und technische Koordinierung des Graduiertenkollegs ist durch ein von der Technischen Universität finanziertes Postdoc-Stipendium (Programm "Support the Best") abgesichert.

Projekte:

Kong sprul Blo gros mtha' yas (Kongtrul Lödrö Tayé) on the Education of Buddhist Practitioners in the Correct View, Meditation and Conduct: a Contribution to the Intra- and Interreligious Comparison of Buddhist Monasticism in Pre-Modern Tibet

Bearbeiterin: Gabriele Coura
Das Dissertationsprojekt soll zu einem besseren Verständnis des tibetisch-buddhistischen Mönchtums, der ihm zugrundeliegenden Normen und seiner Ähnlichkeiten und Unterschiede zu anderen Formen klösterlichen Lebens beitragen. [mehr]


Religious and Gender Ideals in Middle Byzantine Typika

Bearbeiter: James Hooper
My contribution to this project will focus on Byzantine typika. Byzantine monasteries were not separated into the distinct ‘rules’ which governed their Latin Christian counterparts. While influenced (to a greater or lesser extent) by the Rules of St. Basil the Great, these institutions were each governed by distinctive, authoritative documents. Typika were normative documents written primarily by monastic founders, as a formal means of ongoing instruction to their communities. [mehr]


Zwischen Normativität und Performanz: Hindu Asketentum und christliches Mönchtum in vergleichender Perspektive.

Bearbeiter: Edgar Leitan
Das Mönchtum bzw. das Asketentum im breiteren Sinne ist keineswegs nur auf das christliche Abendland oder die christliche "Oikumene" allgemein beschränkt. Als möglicherweise universelles Phänomen scheint es in seinen diversen Formen eher eine konstant präsente Größe in fast jeder religiösen Tradition der Menschheit zu sein. [mehr]

Direktor:
Prof. Dr. Gert Melville

Wiss. Geschäftsführerin / Koordinatorin: Priv.-Doz. Dr. Cristina Andenna

FOVOG
Technische Universität
D - 01062 Dresden
Email: fovog-dresden(at)tu-dresden.de

Telefon: +49 (0) 351 4793 4180
Fax: +49 (0) 351 4793 4189

Die FOVOG ist eine zentral eingebundene Einrichtung der Technischen Universität Dresden
Tagung des
DFG-Netzwerks "Imitation":


Jagen. Sammeln. Plagiieren.

Zürich,
9. - 11. Februar 2017
Neuerscheinungen

Vita Regularis Bd. 55
Daniela Hoffmann, Tanja Skambraks (Hgg.)
Benedikt - gestern und heute

Vita Regularis Bd. 69
Jörg Sonntag (Hg.)
Geist und Gestalt

Gert Melville
The World of Medieval Monasticism

Jörg Sonntag, Coralie Zermatten (Hgg)
Loyalty in the Middle Ages. Ideal and Practice of a Cross-Social Value.

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