Graduiertenkolleg (Neu)
An der „Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG)“, Technische Universität Dresden, wird zum Herbst 2013 ein
eingerichtet.
Hierfür werden unter anderem drei Stipendien für den byzantinischen und den indischen Kulturbereich ausgeschrieben.
Die Laufzeit beträgt vier Jahre (bei einer Evaluation nach zwei Jahren) mit dem Ziel der Promotion. Die Stipendienhöhe beläuft sich auf netto 1.200.- €/Monat. Ein Arbeitsplatz, Finanzen für Bücher, Bibliotheksreisen, Workshops und Gastwissenschaftler stehen zur Verfügung. Voraussetzung ist ein hoch qualifizierter Master-Abschluss im Bereich der byzantinischen oder der indischen Kultur- und Religionsgeschichte. Erwartet wird die Bereitschaft, kulturvergleichend mit anderen monastischen Formen zu arbeiten und sich auf Klosterregeln aus dem byzantinischen oder dem indischen Kulturkreis als Basisphänomen zu konzentrieren. Für die Untersuchungsepoche gibt es keine vorgefasste Festlegung.
Nachfragen und Bewerbungen sind zu richten an:
Prof. Dr. Gert Melville
Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG)
TU Dresden
01062 Dresden
Email: gert.melville@tu-dresden.de
Kurzbeschreibung
Im Herbst 2013 wird an der Forschungsstelle für vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG) der Technischen Universität Dresden die Einrichtung eines Graduiertenkollegs für den interreligiösen Vergleich monastischer Kulturen / Research Training Group for an Interreligious Comparison of Monastic Cultures (ICMC) mit einer Laufzeit von vier Jahren und in Verbindung mit einem begleitenden Fellowship- und Tagungsprogramm erfolgen.
Auf Stipendienbasis werden hierbei drei Nachwuchswissenschaftler (in internationaler Rekrutierung) Dissertationen anfertigen können, die sich im interreligiösen Vergleich jeweils mit den normativen Basistexten (vornehmlich Regeln) einer monastischen Form aus verschiedenen christlichen und nicht-christlichen Kulturen befassen. Die monastischen Formen werden der byzantinischen, altorientalischen und indischen Klosterwelt angehören.
Dabei erfolgt eine curricular orientierte Betreuung durch international ausgewiesene Experten (advisors) sowie durch die Mitarbeiter an der FOVOG. Die fachliche und technische Koordinierung liegt in den Händen einer zusätzlichen Postdoc-Stipendiatin. Arbeitsplätze werden an der FOVOG zur Verfügung stehen. Es besteht Residenzpflicht.
Leiter des Graduiertenkollegs ist Prof. Dr. Gert Melville
Forschungsrahmen
Dass bestimmte Hochkulturen bzw. Religionen eine Lebensweise hervorbrachten, bei der man um der Vervollkommnung des Selbst willen sich von der Welt verabschiedete und in das Organisationsgefüge einer klösterlichen Gemeinschaft eintrat, stellt offensichtlich eine anthropologisch fundierte Konstante dar. Eine solche mönchische Lebensweise fand und findet man im lateinischen ebenso wie im orthodoxen oder koptischen, äthiopischen, armenischen und syrischen Christentum, aber auch im indischen Hinduismus und Jainismus sowie in den verschiedenen Formen des Buddhismus. Sie ist somit originär auf drei Kontinenten international beheimatet: in Europa, Afrika und Asien.
Eine interreligiös vergleichende Erforschung der monastischen Lebensweisen soll die Antwort auf die Frage finden, wieso das mönchische Wirken in ganz unterschiedlichen Zivilisationen, Religionen und Gesellschaftsformen sich mit analogem Erfolg realisieren und über viele Jahrhunderte aufrecht erhalten ließ.
Eine solche Antwort eröffnet wiederum zweierlei: Sie wird beim heutigen Forschungsstand überhaupt erst zu einem Verständnis dessen führen, was Mönchtum über alle Religionen hinweg im Kern bedeutete und sie wird das Phänomen der monastischen Kulturen als eines der entscheidenden Module in der Geschichte der Menschheit erkennen lassen.
Untersuchungsziele
Die Geschichte der Klöster, gleich welcher Religion und Kultur zugehörig, stellt jeweils ein äußerst komplexes Geflecht dar, das sich fließend aus untereinander verwobenen Abläufen herausformte und dabei Phasen des Umbruchs oder der Umformung ebenso aufwies wie solche der Verstetigung und der Beschleunigung.
Gleichwohl bestand diese Welt der Vielfalt und des Wandels bemerkenswerterweise aus ‚Bausätzen‘ von nur wenigen, aber außerordentlich wirksamen Grundelementen, unter denen vor allem die folgenden zu nennen sind: Gemeinschaftsbildung, hohe Gestaltungsrationalität des Organisatorischen, Rekurs auf Lebensregeln, Gehorsam, Einbringung des Ichs zur Perfektionierung der individuellen Seele, Askese und Entsagung der Welt sowie strikte Trennung von Innen und Außen (mit allen Zeichen von Zugehörigkeit). Auf ihnen fußen sekundäre Ausprägungen – unter anderem vita contemplativa oder vita activa, Seelsorge, Predigt, Bildung und Wissenschaft, Bettel –, die sich differenziert, aber ebenfalls mit begrenztem Repertoire realisierten.
Sucht man nach Kriterien für die Auswahl des forschungspragmatisch geeignetsten ‚Bausatzes‘, so ist zunächst davon auszugehen, dass sich jede mönchische Lebensform heuristisch (!) in einen spirituellen und einen organisatorischen Bereich unterteilen lässt, wenngleich beide de facto auch in hohem Maße aufeinander bezogen sind. Der spirituelle Bereich ist durch seine fundierende Verwebung in das System der jeweiligen Religion resp. Theologie mit all deren ideellen Implikationen, wie Transzendenzvorstellungen, Individualitätskonzepten, Werte- und Tugendsystemen usw., allerdings wesentlich aufwändiger zu analysieren und setzt zudem eingehende Kenntnisse über den organisatorischen Bereich voraus.
Es empfiehlt sich deshalb, mit dem organisatorischen Bereich zu beginnen und das Graduiertenkolleg mit der vergleichenden Analyse eines dementsprechenden ‚Bausatzes‘ zu beauftragen.
Es bedarf dabei allerdings einer Perspektive, anhand derer sich diese vielschichtigen, zueinander relationalen Strukturen in einer Bündelung zeigen lassen. Eine solche Perspektive lässt sich gewinnen, wenn man die normativen Basistexte – d. h. vorrangig die Klosterregeln mit ihren präskriptiven und hortativen Komplementärtexten – als einen entscheidend fundierenden ‚Bausatz‘ jeder klösterlichen Kultur zum zentralen und gemeinsamen Untersuchungsobjekt macht.
Jede monastische Form stützt sich auf solche normativen Basistexte, die primordial niedergeschrieben worden waren und die – obwohl in vielen Fällen mit Sakralität ausgestattet und damit zumeist als unverfügbar angesehen – ergänzt, weiterentwickelt, verändert und mit anderen Texten verknüpft wurden. Man hat es also mit einem äußerst flexiblen und differenzierten Komplex von Texten und deren Inhalten zu tun.
Folgende Leitgedanken sollen die gemeinsame Arbeit bestimmen:
|
Zeitlicher Ansatz Da die verschiedenen Kulturen differente Entwicklungsphasen aufweisen, ist es nicht zielführend, einen formal gemeinsamen Zeitabschnitt aufzugreifen; viel-mehr empfiehlt es sich, bei der inneren Genese der jeweiligen Kultur anzuset-zen und die Phase des Höhepunktes ihrer Herausformung zu analysieren. Da-bei können unabhängig von der absoluten Chronologie unterschiedliche Epo-chen im Mittelpunkt stehen, die gleichwohl strukturell analoge Eigenschaften besitzen. |
|
Enge Verbindung der Dissertationsvorhaben untereinander, um bei den eigenen Untersuchungen gemeinsam zu Vergleichsparametern zu gelangen Jeder Stipendiat wählt einen anderen als Vergleichspartner und dieser wiederum einen anderen und so fort (A -> B -> C -> A). Jeder sucht von seinen jeweils zwei Partnern Forschungsergebnisse für die eigene Arbeit vergleichend zu adaptieren. Zweimal im Monat hat ein internes Kolloquium der Research Training Group unter der wechselnden Betreuung von Mitarbeitern der FOVOG stattzufinden. |
|
Wissenschaftliche Koordination Für die wissenschaftliche und organisatorische Koordination steht die Inhaberin eines Postdoc-Stipendiums zur Verfügung. Fachliche Betreuung leisten auch alle Mitglieder der FOVOG. |
|
Gemeinsame Schaffung von Diskursforen des Vergleichs a) Jeder Stipendiat führt im Kreise der anderen Stipendiaten einmal im Jahr einen zweitägigen Workshop mit einem Gast seiner Wahl durch. Diese Vorgehensweise soll den wechselseitig vergleichenden Lernprozess vertiefen. b) Zweimal in der gesamten Laufzeit veranstalten die Stipendiaten eine Tagung mit internationalen Teilnehmern mit einem zentralen Thema über die zu vergleichenden Strukturen. Die Ergebnisse sollen jeweils in einem gemeinsam herausgegebenen Band publiziert werden. c) Jeder Stipendiat kann für jeweils drei Wochen einmal im Jahr einen erfahrenen Wissenschaftler als Fellow für gemeinsame Forschungen in die Research Training Group einladen. |
|
Vertiefende Betreuung jedes Stipendiaten und Qualitätssicherung durch einen auswärtigen Spezialisten der jeweiligen monastischen Kultur als persönlichen Advisor Ein fachnaher Advisor sollte durch persönliche Aufenthalte im Graduiertenkolleg (z. B. auch als Fellow oder in Form von Kurzbesuchen) wirken oder auch seinen jeweiligen Stipendiaten an sein Institut einladen. |
|
Berichterstattung Vor Ablauf der Halbzeit (also vor Ablauf von zwei Jahren) müssen die Stipendiaten einen ausführlichen schriftlichen Bericht vorlegen, von dem die Bewilligung der weiteren zwei Jahre abhängt. Dieser Bericht muss vom Advisor gebilligt worden sein. |
|
Gesamtlaufzeit Angesichts des Schwierigkeitsgrades der Thematik und des hohen Zeitaufwandes für das vergleichende Vorgehen sowie angesichts der besonderen Organisationsleistungen neben der Anfertigung der Dissertation in Form von Tagungs- und Workshopsveranstaltungen und Gesprächsrunden sowie entsprechender Publikationen erscheint eine Gesamtlaufzeit von vier Jahren als sachlich gerechtfertigt. |
|
Rekrutierung der Stipendiaten Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Master-Studium im Fachgebiet der jeweiligen monastischen Kultur bzw. im Fach Vergleichende Religionswissenschaft. Gute Englischkenntnisse sind erforderlich. Die Bereitschaft von nicht-deutschsprachigen Stipendiaten zum Erwerb von Deutschkenntnissen wird allerdings begrüßt. |
|
Finanzielle Ausstattung Es stehen drei Stipendien zur Verfügung. Die Höhe eines Stipendiums mit der Gesamtlaufzeit von vier Jahren beläuft sich auf 1.200.- € monatlich; es muss nicht versteuert werden. Zudem steht ein Postdoc-Stipendium zur Verfügung. Zudem gibt aus eine ausreichende Finanzausstattung für Reisen, Einladungen, Tagungen, Bücher und Druckkosten. Arbeitsplätze mit PCs stehen zur Verfügung. |
|
Beginn Vorgesehen ist der Herbst 2013. |
|
Arbeitsumgebung Die "Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG)" an der Technischen Universität Dresden bietet sich optimal als Arbeitsumgebung an. Die seit Jahren in der FOVOG gewonnenen Erfahrungen in Vergleichsanalysen zum lateinischen Mönchtum dürften mittlerweile weltweit nahezu einmalig sein. An der FOVOG sind mehrere Forschungsprojekte beheimatet. Sie befassen sich mit dem Innovationspotential des klösterlichen Lebens im westlichen Mittelalter, mit Raumstrukturen des Klosters, mit der Literaturgeschichte der Orden, mit dem Verhältnis zwischen Kloster und sozialem Umfeld, mit den spirituellen Grundlagen des Mönchtums. Zudem besteht eine enge Vernetzung mit zahlreichen anderen Forschungsinstitutionen zur Geschichte des klösterlichen Lebens in Deutschland, Europa, Amerika und Asien. |
Prof. Dr. Gert Melville
Wiss. Geschäftsführerin / Koordinatorin: Dr. Cristina Andenna
FOVOG
Technische Universität
D - 01062 Dresden
Email: fovog-dresden(at)tu-dresden.de
Telefon: +49 (0) 351 4793 4180
Fax: +49 (0) 351 4793 4189
Die FOVOG ist eine zentral eingebundene Einrichtung der Technischen Universität Dresden
Zum Herbst 2013 wird an der FOVOG ein Graduiertenkolleg zum interreligiösen Vergleich monas- tischer Kulturen eingerichtet.
Detaillierte Informationen.
Jörg Sonntag (Hg.)
Religiosus Ludens. Das Spiel als kulturelles Phänomen in mittelalterlichen Klöstern und Orden.
Vita Regularis Band 53
Klaus Schreiner
Gemeinsam Leben. Spiritualität, Lebens- und Verfassungsformen klösterlicher Gemeinschaften in Kirche und Gesellschaft des Mitelalters
