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Das mittelalterliche Religiosentum als Erfinder und Vermittler gesellschaftlicher Unterhaltungsspiele im Spannungsfeld von Norm und Devianz

Bearbeiter: Dr. Jörg Sonntag

Das seit dem 01.01.2009 bis zum 31.12.2012 laufende, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Eigene Stelle) und der TU Dresden geförderte Projekt untersucht die Spielewelt des mittelalterlichen Religiosentums und entschlüsselt das Faszinosum des scheinbaren Widerspruchs von kontemplativem Klosterleben einerseits und unterhaltendem Spiel andererseits.

Einer vergleichenden Analyse des facettenreichen Spektrums von Ball-, Brett-, Karten- und Wissensspielen, ihrer geschichtlichen Evolution und divergierenden zeitgenössischen Bewertung zwischen monastischer Systemkonformität und Devianz stellt das Projekt eine zweite erkenntnisleitende, eine kulturwissenschaftliche, Perspektivierung an die Seite: Es untersucht die Kraft gerade der religiösen Gemeinschaften, sowohl neue Spiele zu ersinnen, als auch kulturfremde Spielmomente zu verchristlichen. Klöster nämlich agierten in vielerlei Hinsicht als Kreuzpunkte gesellschaftlicher Milieus, diverser kultureller Sphären und verschiedener Zeichenwelten, auch und besonders im Bereich des Spiels. Im Ordenswesen und in den dort gespielten Spielen konnten sich Spielelemente verschiedener kultureller Provenienz (germanisch, arabisch, muslimisch, christlich, höfisch, städtisch) vermengen. Meistens wurden sie den mönchischen Gegebenheiten angepasst, sie wurden transformiert, purifiziert, mit eigenen Ursprungsmythen versehen und – auf einem neuen, christlichen, Level – bedeutvoll für die Welt außerhalb. Dieses Phänomen ist von immenser Bedeutung für die mittelalterliche Spielkultur, ja die Kultur als solche. In jedem Fall beeinflusste die mittelalterliche vita religiosa die Weltsicht und die Entwicklung des vormodernen und deshalb auch des modernen Entertainments in entscheidendem Maße.

Weil das Spiel eines homo ludens nicht zuletzt einen Kernaspekt jeder Sozietät ist, soll ein Buch entstehen, das am Schnittpunkt aus Sozialanthropologie, Kultur- und Religionswissenschaft einen anderen, noch unbegangenen Weg zum Verständnis des Mittelalters gehen möchte.

Vom 9. bis zum 11. September 2010 veranstaltete die Forschungsstelle für vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG) die Konferenz "Spiele im mittelalterlichen Kloster" im Stift Heiligenkreuz. Hier finden Sie Fotos der Veranstaltung.

Direktor: Prof. Dr. Gert Melville

Wiss. Geschäftsführerin / Koordinatorin: Dr. Cristina Andenna

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